WiseRay Ratgeber

CTDIvol und DLP: Was sagen CT-Dosisanzeigen tatsächlich aus?

Radiologiefachperson prüft ein Aufnahmeprotokoll am CT-Bedienplatz.

Stand: Oktober 2026

Nach einer CT-Untersuchung stehen im Dosisprotokoll verschiedene Kennzahlen. Besonders wichtig sind CTDIvol und DLP. Beide helfen, Untersuchungsprotokolle zu vergleichen und Auffälligkeiten zu erkennen. Ihre Aussagekraft hängt jedoch davon ab, wie sie interpretiert werden.

Kernaussage: CTDIvol und DLP beschreiben standardisierte Dosisgrössen der CT-Untersuchung, aber nicht unmittelbar die individuelle Organ- oder effektive Dosis einer Patientin oder eines Patienten.

Was beschreibt der CTDIvol?

Der CTDIvol, der volumetrische Computed Tomography Dose Index, ist eine standardisierte Kenngrösse für die Strahlungsausgabe eines CT-Protokolls. Die Einheit ist Milligray (mGy).

Seine Bestimmung beruht auf definierten Messbedingungen mit standardisierten CT-Prüfkörpern. Üblicherweise kommen zylindrische Phantome mit 16 cm Durchmesser für den Kopfbereich und 32 cm für den Körperbereich zum Einsatz.

Der CTDIvol beschreibt damit nicht die tatsächlich in einem individuellen Patienten absorbierte mittlere Dosis. Körperdurchmesser, Gewebezusammensetzung und anatomische Region unterscheiden sich von den Messbedingungen des standardisierten Phantoms.

Trotzdem ist der Wert für die Qualitätssicherung nützlich. Werden Untersuchungen derselben Art unter vergleichbaren Bedingungen betrachtet, lassen sich Unterschiede bei der Strahlungsausgabe und damit mögliche Optimierungsansätze erkennen.

Ein höherer CTDIvol kann beispielsweise aus anderen Aufnahmeparametern, einer geänderten automatischen Expositionssteuerung oder abweichenden Untersuchungsvoraussetzungen resultieren.

Für die richtige Bewertung müssen deshalb immer Untersuchungsart, Protokoll, Patientengeometrie und verwendetes Bezugsphantom mitbetrachtet werden. Ein isolierter CTDIvol-Wert genügt nicht für eine individuelle Dosisbewertung.

Was ergänzt das Dosis-Längen-Produkt?

Das Dosis-Längen-Produkt, kurz DLP, verbindet den CTDIvol mit der bestrahlten Länge. Die Einheit lautet mGy·cm. Für einen entsprechenden Scanabschnitt ergibt sich das DLP näherungsweise aus CTDIvol multipliziert mit der zugehörigen Scanlänge.

Damit beschreibt das DLP zusätzlich, über welche Länge die Strahlung angewendet wurde. Zwei Untersuchungen können denselben CTDIvol aufweisen und dennoch unterschiedliche DLP-Werte haben, wenn die Scanlängen verschieden sind.

Bei Mehrphasenuntersuchungen werden die Beiträge der einzelnen Scanserien für das gesamte Untersuchungs-DLP zusammengeführt. Deshalb ist neben der Strahlungsausgabe pro Serie auch die Anzahl der durchgeführten Phasen relevant.

Das DLP ist jedoch ebenfalls kein direkt gemessener individueller Patientendosiswert. Insbesondere können daraus ohne zusätzliche Annahmen keine individuellen Organ- oder effektiven Dosen bestimmt werden.

Für die Praxis ist die Unterscheidung wichtig: Ein auffälliger CTDIvol kann auf die Strahlungsausgabe pro Scan hinweisen. Ein auffälliges DLP kann zusätzlich durch eine grosse Scanlänge oder mehrere Scanserien entstehen.

Beide Werte sollten deshalb gemeinsam mit dem Untersuchungsprotokoll ausgewertet werden.

Wie werden CT-Dosiswerte zur Optimierung genutzt?

Das Bundesamt für Gesundheit veröffentlicht diagnostische Referenzwerte (DRW) für häufige CT-Untersuchungen. Sie dienen dazu, ungewöhnlich hohe Dosiswerte zu erkennen und die Untersuchungsprotokolle zu überprüfen.

Ein DRW ist kein Dosisgrenzwert für einzelne Patientinnen oder Patienten. Eine Überschreitung bedeutet daher nicht automatisch eine fehlerhafte oder unzulässige Untersuchung.

Für die Optimierung werden üblicherweise mehrere vergleichbare Untersuchungen ausgewertet. Dabei können beispielsweise typische CTDIvol- und DLP-Werte einer Untersuchungsgruppe mit den entsprechenden Referenzwerten verglichen werden.

Werden DRW regelmässig überschritten, muss geklärt werden, ob die höheren Werte medizinisch begründet sind oder eine Anpassung der Untersuchungsbedingungen erforderlich ist.

Mögliche Einflussfaktoren sind die Scanlänge, zusätzliche Aufnahmephasen, die Wahl des Protokolls, die automatische Expositionssteuerung und die erforderliche Bildqualität.

Die Optimierung darf dabei nicht ausschliesslich auf möglichst niedrige Dosiswerte abzielen. Eine diagnostisch unzureichende Bildqualität kann Wiederholungsaufnahmen oder zusätzliche Untersuchungen erforderlich machen.

Ein sinnvoller Protokollreview betrachtet deshalb Dosis und diagnostische Bildqualität gemeinsam.

Praxis-Checkliste

  • CTDIvol und DLP getrennt betrachten.
  • Angezeigtes Bezugsphantom und Untersuchungsregion prüfen.
  • Scanlänge und Anzahl der Aufnahmephasen berücksichtigen.
  • Dosiswerte nur innerhalb vergleichbarer Untersuchungsgruppen bewerten.
  • Passende BAG-Referenzwerte heranziehen.
  • Wiederkehrende Auffälligkeiten fachlich analysieren.
  • Optimierung gemeinsam mit der erforderlichen Bildqualität beurteilen.

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