Dosisgrössen und Einheiten

Strahlungsmessgeräte an einem klinischen Messplatz mit CT im Hintergrund.

Stand: 01.09.2026

Sehen Sie gerade einen CT-Geräteindex, eine Personendosisgrösse oder eine Energiedosis?

Beginnen Sie mit der Tabelle «Welche Grösse beantwortet welche Frage?». Sie verbindet die jeweilige Messfrage mit der passenden Grösse, bevor Sie Werte oder Einheiten vergleichen.

Gray, Sievert, CTDIvol, DLP, DFP und Hp beantworten unterschiedliche Fragen. Entscheidend ist nicht nur der Wert, sondern welche Grösse er bezeichnet.

„Dosis“ ist kein eindeutiger Messwert. Je nach Aufgabe geht es um deponierte Energie, eine Strahlenschutzgrösse, einen Geräteindex oder eine direkt messbare Personendosisgrösse. Bevor Sie einen Wert interpretieren, klären Sie deshalb zuerst: Welche Frage soll er beantworten?

In 30 Sekunden

  • Frage zuerst. Ein Wert wird erst verständlich, wenn Grösse, Einheit, Messort und Zweck klar sind.
  • Gray ist Energie pro Masse. Gy beschreibt absorbierte Energie. Daraus folgt noch keine individuelle Risikoaussage.
  • Indizes bleiben Indizes. CTDIvol, DLP und DFP helfen bei Dokumentation und Optimierung, sind aber keine austauschbaren Patientendosen.

Welche Grösse beantwortet welche Frage?

FragePassende Grösse
Wie viel Energie wurde pro Masse aufgenommen?Energiedosis in Gray
Wie wird eine Exposition im Strahlenschutz eingeordnet?Äquivalentdosis oder effektive Dosis in Sievert
Wie wird der Geräteoutput eines CT-Protokolls beschrieben?CTDIvol und DLP
Welche typischen Expositionsgrössen zeigt eine Durchleuchtungsanlage an?Je nach System DFP/KAP und kumulierte Luftkerma am Referenzpunkt.
Was erfasst das Personendosimeter?Hp(10), Hp(3) oder Hp(0,07)

Energiedosis: die physikalische Basisgrösse

Die Energiedosis D beschreibt die pro Masse absorbierte Strahlungsenergie. Sie ist eine physikalische Grösse; allein sagt sie noch nicht, wie eine Exposition im Strahlenschutz bewertet wird.

D = dE / dm  ·  [Gy = J/kg]Pro Kilogramm Gewebe deponierte Energie. 1 Gray (Gy) = 1 Joule pro Kilogramm. Sagt für sich genommen noch nichts über die biologische Wirkung.

Kerma und Luftkerma

Die Kerma beschreibt die kinetische Energie, die ungeladene Strahlung auf geladene Teilchen überträgt. In Luft gemessen heisst sie Luftkerma. Sie ist eine zentrale Mess- und Bezugsgrösse für diagnostische Röntgensysteme.

K = dEkin / dm  ·  [Gy]Übertragene Anfangsenergie pro Masse. Im diagnostischen Energiebereich ist die Luftkerma in guter Näherung gleich der Energiedosis in Luft.

Äquivalentdosis: die biologische Gewichtung

Die Äquivalentdosis HT gewichtet die mittlere Energiedosis in einem Organ oder Gewebe mit dem Strahlungs-Wichtungsfaktor wR. Für Photonen und Elektronen gilt wR = 1, für Alphateilchen wR = 20.

HT = Σ wR · DT,R  ·  [Sv]Bei externer Röntgenstrahlung kann die mittlere Energiedosis eines bestimmten Gewebes zahlenmässig seiner Äquivalentdosis entsprechen. Daraus folgt keine allgemeine Gleichheit von Gray, Sievert und effektiver Dosis.

Effektive Dosis: eine Zahl für ungleiche Expositionen

Die effektive Dosis E gewichtet Organ-Äquivalentdosen mit Gewebe-Wichtungsfaktoren. Sie ist eine Strahlenschutz- und Vergleichsgrösse für Referenzpersonen. Sie ist weder eine direkt messbare Patientendosis noch eine individuelle Risikoprognose.

E = Σ wT · HT  ·  [Sv]Summe über alle Organe T. Die wT addieren sich zu 1. Wichtig: E ist eine Schutz- und Vergleichsgrösse für Kollektive: kein Mass für das individuelle Risiko eines konkreten Patienten.

Abstand: starke Regel, aber kein Universalmodell

Für eine punktförmige Quelle im freien Raum nimmt die Dosisleistung näherungsweise mit dem Quadrat des Abstands ab. Im OP ist der Patient jedoch eine ausgedehnte Streuquelle; Tisch, Feldgrösse, Projektion und Abschirmung verändern das reale Streufeld. Abstand bleibt ein wichtiger Hebel, muss aber zusammen mit Geometrie und Schutzmitteln beurteilt werden.

K₂ = K₁ · (r₁ / r₂)²Punktquellen-Näherung: doppelter Abstand bedeutet ein Viertel der Dosisleistung. Für patientennahe Streufelder ist das eine Orientierung, keine exakte Vorhersage.
Doppelter Abstand, ein Viertel der DosisQuelledDosis 12dDosis 1/43dDosis 1/9
AbstandsgeometrieDie Punktquellen-Näherung erklärt den starken Abstandseffekt. Klinische Streufelder bleiben geometrieabhängig.

Grössen der Röntgendiagnostik

Für die Projektionsradiografie und Durchleuchtung sind besondere, gut messbare Grössen gebräuchlich:

  • Einfalls-Luftkerma: Luftkerma am Eintritt ohne Rückstreuung.
  • Eintrittsoberflächen-Luftkerma: berücksichtigt zusätzlich die Rückstreuung am Patienten.
  • Spitzenhautdosis (PSD): höchste lokale Energiedosis der Haut; bei langen oder komplexen Interventionen muss sie bei Bedarf abgeschätzt oder rekonstruiert werden.
  • Dosisflächenprodukt (DFP/KAP): Luftkerma-Flächen-Produkt; beschreibt den Geräteoutput über die bestrahlte Fläche, nicht die lokale Hautdosis.
DFP = ∫ Ka dA  ·  [Gy·cm²]Das DFP eignet sich für Dokumentation, Vergleich und Optimierung. Es kann die räumliche Verteilung der Hautdosis nicht abbilden.

CT-Dosisgrössen: CTDI, Pitch, DLP

In der CT beschreiben CTDI-Grössen den Geräteoutput unter standardisierten Bedingungen in Referenzphantomen. Sie sind keine direkte Dosisangabe für eine bestimmte Patientin oder einen bestimmten Patienten.

Kopf Ø16 cmKörper-Phantom Ø32 cmZentrum + 4 Rand-KammernDosisprofil D(z):SchichtStreuschwänze
DosisprofilCTDI: In genormten Phantomen wird an fünf Positionen gemessen. Das Dosisprofil hat einen Anteil in der Schicht (blau) und „Streuschwänze» in den Nachbarschichten (rot).
CTDIw = ⅓ · CTDIzentral + ⅔ · CTDIperipherGewichteter CTDI: kombiniert Zentrum und Rand zu einem repräsentativen Wert für die Schicht.

Der Pitch-Faktor ist das Verhältnis von Tischvorschub pro Rotation zur nominalen Strahlbreite. Bei sonst unveränderten Bedingungen beeinflusst er den CTDIvol. Moderne automatische Röhrenstrommodulation kann diesen einfachen Zusammenhang verändern.

CT-Pitch als Verhältnis von Vorschub und StrahlbreiteVereinfachtes Lehrschema, keine Messdaten. Geometrie nicht massstabsgetreu.Pitch: axiale StrahlpositionenDrei Positionen, jeweils einen Umlauf auseinanderp = 0,7Vorschub 0,7 Bp = 1Vorschub 1 Bp = 1,5Vorschub 1,5 BRechteckhöhe = nominelle Strahlbreite BGrüne Strecke = Tischvorschub pro UmlaufDas Schema zeigt axiale Positionen, nicht die vollständigeHelixabtastung oder Lücken im rekonstruierten Körper.
Pitch ist der Tischvorschub pro Umlauf relativ zur gesamten nominellen Strahlbreite B. Die Rechtecke zeigen axiale Strahlpositionen im Abstand eines Umlaufs; sie sind keine Karte von Lücken in der vollständigen Helixabtastung oder im rekonstruierten Körper.
CTDIvol = CTDIw / PitchStandardisierte Indexgrösse für den Geräteoutput am Referenzphantom. Sie wird unter anderem für DRW-Vergleiche genutzt.

Das Dosislängenprodukt (DLP) verbindet CTDIvol und Scanlänge. Es beschreibt den protokollbezogenen Output über den untersuchten Bereich, nicht die individuelle Patientendosis.

DLP = CTDIvol · Scanlänge  ·  [mGy·cm]Körperregion-spezifische Faktoren können daraus eine grobe effektive Dosis abschätzen. Das bleibt eine Näherung und keine individuelle Risikoberechnung.

Mess- und Ortsdosisgrössen

Schutzgrössen wie die effektive Dosis werden nicht direkt mit einem Personendosimeter gemessen. Im Alltag nutzt man dafür definierte Messgrössen:

GrösseSymbolWofür
Umgebungs-ÄquivalentdosisH*(10)Ortsdosimetrie, Raumüberwachung
Personendosis (Tiefe)Hp(10)Ganzkörper-Dosimeter
Personendosis (Auge)Hp(3)Augenlinsendosimetrie
Personendosis (Haut)Hp(0,07)Oberflächen-/Extremitätendosis

Merke: Ein Dosiswert ist erst verständlich, wenn Grösse, Einheit, Messort und Zweck klar sind. Gray, Sievert, CTDIvol, DLP, DFP und Hp sind nicht austauschbar.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Gray und Sievert?

Gray ist die Einheit der Energiedosis. Sievert wird für gewichtete Strahlenschutzgrössen verwendet. Die Zahlenwerte sind nur in klar definierten Sonderfällen vergleichbar, nicht allgemein austauschbar.

Was bedeutet die effektive Dosis?

Sie gewichtet Organ-Äquivalentdosen zu einer Schutz- und Vergleichsgrösse für Referenzpersonen. Sie ist keine direkt gemessene Patientendosis und keine individuelle Risikoprognose.

Sind CTDIvol und DLP Patientendosen?

Nein. Beide sind standardisierte CT-Indizes für Geräteoutput und Protokollvergleich. Für eine individuelle Dosisabschätzung braucht es zusätzliche patienten- und untersuchungsspezifische Informationen.

Grundlage und weiterführend

Primärquellen-Prüfstand: 15.07.2026

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Die Inhalte dienen der Information und Weiterbildung; sie ersetzen keine einzelfallbezogene fachliche Beratung und keine behördlichen oder normativen Vorgaben. Massgeblich sind stets die jeweils geltenden Gesetze, Verordnungen und Weisungen der zuständigen Behörden. Für konkrete Anwendungen sind zusätzlich die lokalen Weisungen, Gerätevorgaben und die Beurteilung der zuständigen Fachpersonen massgeblich.

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