Stand: 01.09.2026
Peptidrezeptor-Radionuklidtherapie (PRRT) bei neuroendokrinen Tumoren: dasselbe theranostische Muster wie bei PSMA, nur über einen anderen Rezeptor.
Neuroendokrine Tumoren (NET) sind eine eigene, oft langsam wachsende Tumorgruppe, die aus hormonbildenden Zellen entsteht, häufig im Magen-Darm-Trakt oder in der Bauchspeicheldrüse. Viele dieser Tumoren tragen besonders viele Somatostatin-Rezeptoren an der Oberfläche. Genau dieses Merkmal macht sie für eine zielgerichtete Radionuklidtherapie angreifbar.
Das Wirkprinzip
DOTATOC und DOTATATE sind künstliche Somatostatin-Analoga, also Moleküle, die wie das körpereigene Somatostatin an dessen Rezeptor andocken. Markiert mit dem Betastrahler Lutetium-177, binden sie gezielt an die Tumorzellen und bestrahlen sie von innen. Das Verfahren heisst Peptidrezeptor-Radionuklidtherapie, kurz PRRT.
Erst sehen, dann behandeln
Auch hier kommt zuerst die Diagnostik: Eine Somatostatin-Rezeptor-PET (häufig mit Gallium-68) zeigt, ob und wie stark der Tumor die Rezeptoren trägt. Nur bei deutlicher Anreicherung ist die PRRT sinnvoll. Diagnostik und Therapie folgen demselben Zielprinzip, das macht es zu einem klassischen theranostischen Paar.
Ablauf und Schutz
Die Behandlung läuft in mehreren Zyklen, fast immer mit einer begleitenden Aminosäureinfusion, die die Nieren schützt (sie wären sonst das am stärksten belastete Organ). Wie bei allen Lu-177-Therapien stehen die patientenindividuelle Dosimetrie, die Aktivitätsbilanz und das Abklingmanagement im Vordergrund. Die Therapie ist bewilligungspflichtig.
Gemeinsamkeit mit PSMA: gleiches Nuklid (Lu-177), gleiches theranostisches Muster, nur ein anderer Rezeptor und eine andere Tumorgruppe. Wer das eine verstanden hat, versteht auch das andere.

