Stand: 01.09.2026
Strahlung von innen statt von aussen: wie verabreichte radioaktive Stoffe Stoffwechsel sichtbar machen und Tumoren gezielt behandeln, und warum das ganz eigene Schutzregeln verlangt.
Die Nuklearmedizin geht einen grundlegend anderen Weg als das Röntgen. Statt von aussen durchzuleuchten, bekommt der Patient eine kleine Menge eines radioaktiven Stoffes (Radiopharmakon) verabreicht, der sich gezielt im interessierenden Gewebe anreichert. Die Strahlung kommt also von innen. Das erlaubt etwas, das keine andere Bildgebung so kann: nicht nur Anatomie zu zeigen, sondern Funktion und Stoffwechsel sichtbar zu machen. Für WiseRay ist dieses Gebiet der fachliche Kern.
Das Grundprinzip: Tracer und Zerfall
Ein Radiopharmakon besteht aus zwei Teilen: einem Trägermolekül, das sich am Zielort anreichert (etwa Zucker in stoffwechselaktiven Tumoren), und einem radioaktiven Anhängsel, das Strahlung aussendet und so von aussen detektierbar wird. Wie schnell diese Aktivität wieder abklingt, beschreibt die Halbwertszeit (ausführlich unter Strahlenarten und Zerfall).
In der Diagnostik will man kurze Halbwertszeiten, damit die Strahlenbelastung schnell nachlässt. Technetium-99m, das häufigste diagnostische Nuklid, ist nach rund sechs Stunden zur Hälfte zerfallen.
Diagnostik: Szintigrafie, SPECT und PET
Je nach Strahlungsart kommen zwei Gerätefamilien zum Einsatz. Gammastrahler werden mit der Gammakamera (Szintigrafie, dreidimensional als SPECT) abgebildet, Positronenstrahler über die PET. Hybridgeräte wie PET/CT verbinden die Funktion mit der Anatomie aus der CT. Die Details stehen im Artikel Nuklearmedizinische Diagnostik.
Therapie und Theranostik
Dasselbe Prinzip lässt sich zum Behandeln nutzen: Koppelt man statt eines Gammastrahlers einen Beta- oder Alphastrahler an das Trägermolekül, reichert er sich im Zielgewebe an und gibt dort lokal seine zerstörende Dosis ab, während gesundes Gewebe weitgehend verschont bleibt. Die Theranostik kombiniert beides: erst mit einem diagnostischen Tracer sehen, ob das Ziel vorhanden ist, dann mit dem passenden therapeutischen Nuklid behandeln. Bekannte Beispiele sind die Radioiodtherapie der Schilddrüse, die Lu-177-PSMA-Therapie beim Prostatakarzinom und Lu-177-DOTATATE bei neuroendokrinen Tumoren.
Eigene Schutzregeln für offene Quellen
Weil die radioaktiven Stoffe offen gehandhabt werden und der Patient selbst zur Strahlenquelle wird, gelten besondere Anforderungen, die es im Röntgen nicht gibt: Vermeidung von Kontamination, lückenlose Aktivitätsbilanz, Abklingräume für Ausscheidungen, Überwachung von Abwasser und Abluft sowie die Begleitung von Lieferung und Transport. In der Schweiz ist dafür eine eigene behördliche Bewilligung nötig (siehe Bewilligung und Umgang).
Merke: Nuklearmedizin macht Funktion sichtbar, nicht nur Form, und kann mit demselben Zielprinzip behandeln. Der Preis dafür sind eigene, strenge Regeln für offene radioaktive Stoffe.
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich die Strahlung in der Nuklearmedizin von der Röntgendiagnostik?
In der Nuklearmedizin trägt der Patient ein radioaktives Arzneimittel im Körper und wird selbst kurzzeitig zur Strahlenquelle. In der Röntgendiagnostik kommt die Strahlung von aussen aus dem Gerät.
Ist ein Patient nach der Untersuchung strahlend?
Für kurze Zeit gibt der Patient etwas Strahlung ab, abhängig von Nuklid und Aktivität. Abstand und Zeit reichen meist als Schutz; bei Therapien gelten zusätzliche Vorgaben.
Was ist der Unterschied zwischen Diagnostik und Therapie?
Diagnostik nutzt kleine Aktivitäten, um Funktionen sichtbar zu machen. Therapie nutzt gezielt höhere Aktivitäten, um krankes Gewebe zu bestrahlen, etwa bei der Radioiod- oder Radionuklidtherapie.
Nach Kursabschluss erhalten Sie eine Teilnahmebestätigung mit den absolvierten Unterrichtseinheiten.


