Stand: 01.09.2026
Wo Radiopharmaka entstehen: das abgeschirmte Heisslabor als strahlenschutztechnisches Herz der Nuklearmedizin, mit Generator, Aktivimeter und strenger Qualitätskontrolle.
Bevor ein Radiopharmakon dem Patienten verabreicht wird, muss es vorbereitet, exakt dosiert und geprüft werden. Das geschieht im Heisslabor (Hot-Lab), dem strahlenschutztechnischen Herz jeder nuklearmedizinischen Abteilung. Hier wird mit offenen radioaktiven Stoffen gearbeitet, und genau das verlangt eine besondere Ausstattung und Disziplin.
Woher das Nuklid kommt: der Generator
Viele diagnostische Nuklide sind so kurzlebig, dass man sie nicht liefern lassen kann, sie wären bei Ankunft längst zerfallen. Die Lösung ist ein Generator: Ein langlebigeres Mutternuklid (Molybdän-99) zerfällt nachschiebend zum kurzlebigen Tochternuklid (Technetium-99m), das bei Bedarf vor Ort aus dem Generator gewonnen (eluiert) wird. Anschliessend wird es an ein Trägermolekül gekoppelt, das die Verteilung im Körper bestimmt.
Ausstattung des Hot-Labs
Typisch sind abgeschirmte Arbeitsplätze und Tresore, ein Aktivimeter (Dosiskalibrator), das die zu verabreichende Aktivität exakt misst, Spritzenabschirmungen, leicht zu reinigende, kontaminationsarme Oberflächen sowie klar definierte Abluft- und Abwasserwege. Alles ist darauf ausgelegt, Kontamination zu vermeiden und die Dosis des Personals niedrig zu halten.
Qualitätskontrolle und Schutz
Bevor ein Präparat den Patienten erreicht, wird es geprüft: radiochemische Reinheit (ist das Nuklid wirklich am richtigen Trägermolekül?), korrekte Aktivität und Sterilität. Dazu kommen die Konstanzprüfung des Aktivimeters, regelmässige Kontaminationskontrollen und eine konsequente Personendosimetrie, besonders der Hände, die am nächsten an der Aktivität arbeiten. In der Schweiz ist der Betrieb bewilligungspflichtig.
Schnittstelle: Anlieferung und Transport der Nuklide verbinden das Hot-Lab mit dem Gefahrgutrecht. Das Hot-Lab ist der Ort, an dem Strahlenschutz im Alltag am sichtbarsten gelebt wird.
BAG-Wegleitungen zum Vertiefen: Anforderungen an die Zubereitung von Radiopharmazeutika. Alle Wegleitungen: BAG-Übersicht der Strahlenschutz-Wegleitungen.
Häufige Fragen
Was ist ein Hot-Lab?
Der abgeschirmte Bereich, in dem radioaktive Arzneimittel angeliefert, vorbereitet und dosiert werden. Hier gelten besondere Regeln für Abschirmung, Kontaminationsschutz und Dokumentation.
Wie schützt man sich beim Umgang mit der Aktivität?
Durch Abstand, Abschirmung (Bleibehälter, Spritzenabschirmung) und kurze Handhabungszeiten. Die Hände sind besonders exponiert, deshalb ist Routine wichtig.
Was misst der Dosiskalibrator?
Die Aktivität eines Radiopharmakons in Becquerel, je Nuklid kalibriert. Eine regelmässige Qualitätskontrolle stellt sicher, dass die verabreichte Aktivität stimmt.
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