Interventionelle Radiologie und Herzkatheter

Herzkatheterlabor, C-Bogen mit Untertisch-Lamellenschurz und deckengeführter Sichtscheibe

Stand: 01.09.2026

Welche Dosisanzeige hilft Ihnen beim Patientenschutz, und welche Massnahme schützt das Team am Tisch?

Betrachten Sie Patientenschutz und Personenschutz als zwei getrennte Aufgaben. Ordnen Sie die im Artikel genannten Dosisgrössen, Teampositionen und Schutzmittel jeweils der passenden Aufgabe zu.

Durchleuchtungsgestützte Eingriffe können mit hohen Patienten- und Personalexpositionen verbunden sein.

In der interventionellen Radiologie und Kardiologie werden Eingriffe unter kontinuierlicher Röntgendurchleuchtung gesteuert, von der Gefässaufdehnung über das Setzen von Stents bis zum Herzkatheter. Der klinische Nutzen ist enorm: Viele dieser Eingriffe ersetzen offene Operationen. Zugleich sind es wegen der langen Durchleuchtungszeiten die dosisintensivsten Anwendungen der gesamten Bildgebung, und das macht den Strahlenschutz hier besonders anspruchsvoll.

Eine doppelte Schutzaufgabe

Anders als in der reinen Diagnostik sind hier zwei Gruppen gleichzeitig zu schützen:

  • Der Patient vor hohen Hautdosen. Bei langen, komplexen Eingriffen kann die lokale Hautdosis Schwellen erreichen, ab denen deterministische Schäden wie Rötung oder, sehr selten, späte Hautnekrosen möglich werden. Die Spitzenhautdosis (Peak Skin Dose), meist aus den Anlagedaten abgeschätzt, ist deshalb die kritische Grösse.
  • Das Team, das über Jahre täglich nah an der Streustrahlung arbeitet. Hier geht es um die kumulierte berufliche Dosis, besonders an Augenlinse und Händen.
ZWEI SCHUTZZIELEPrimärstrahlPatient: Hautdosis am EintrittTeam: Streustrahlung
Patient und TeamZwei Schutzziele zugleich: Der Patient bekommt die höchste Dosis am Strahleneintritt (Haut), das Team die Streustrahlung. Beide verlangen unterschiedliche Massnahmen.

Der wirksamste Schutz ist Verhalten, nicht Blei

Das Streufeld stammt aus dem bestrahlten Bereich des Patienten, nicht aus dem Gerät. Für das Team gelten deshalb dieselben drei klassischen Hebel wie am C-Bogen, hier nur über viel längere Zeit:

ALARAZEITABSTANDABSCHIRMUNG
Zeit Abstand AbschirmungDie drei Hebel des Strahlenschutzes: Zeit verkürzen, Abstand vergrössern, Abschirmung nutzen. In der Intervention wirken alle drei zusammen.
  • Zeit: Gepulste Durchleuchtung statt kontinuierlich, niedrige Bildrate wo vertretbar, jede Sekunde Strahlung bewusst.
  • Abstand: Wegen des Abstandsquadratgesetzes halbiert schon ein kleiner Schritt zurück die Dosis weit überproportional. Der grösste Hebel fürs Team.
  • Abschirmung: Bleischürze, Schilddrüsenschutz, Bleiglasbrille und vor allem die deckenmontierten Bleiglasscheiben und Untertischlamellen.

Zusätzlich gilt: Kollimation auf das Notwendige, steile und seitliche Projektionen meiden (sie vervielfachen das Streufeld), und gespeicherte Loops statt erneuter Durchleuchtung nutzen.

Dokumentation und Nachverfolgung

Dosisrelevante Kenngrössen, vor allem das Dosisflächenprodukt und die kumulierte Spitzenhautdosis, werden während des Eingriffs erfasst. Wird ein definierter Wert überschritten, folgt eine strukturierte Nachverfolgung des Patienten, etwa eine Hautkontrolle. Strukturierte Dosismanagement-Systeme automatisieren diese Erfassung und Alarmierung.

Praxisbezug: Der WiseRay-Kurs zum mobilen C-Bogen behandelt genau diese Konstellation aus Teamposition, Streufeld und bewusster Gerätesteuerung. Strahlenschutz in der Intervention ist eine Frage des Verhaltens.

BAG-Wegleitungen zum Vertiefen: Diagnostische Referenzwerte für interventionelle radiologische Anwendungen. Alle Wegleitungen: BAG-Übersicht der Strahlenschutz-Wegleitungen.

Häufige Fragen

Warum ist die Strahlenbelastung im Herzkatheter höher?

Weil lange durchleuchtet wird und das Team nah am Streufeld steht. Abstand, Schürze, Schutzscheiben und gepulste Durchleuchtung sind hier besonders wirksam.

Wie schützt man die Hände bei Interventionen?

Indem man sie aus dem direkten Strahl hält, da die Hautdosis dort am höchsten ist. Geräteführung und Kollimation helfen mehr als Abschirmung am Tisch.

Was ist die Spitzenhautdosis und warum zählt sie?

Die höchste lokale Hautdosis bei langen Eingriffen. Sehr hohe Werte können Hautschäden verursachen, anders als die übliche niedrige Streubelastung des Teams.

Grundlage und weiterführendMassgeblich sind die Strahlenschutzpflichten der StSV für die interventionelle Radiologie; Dosismonitoring (DFP, kumulative Dosis) ist Standard. Fachlicher Rahmen: IAEA RPOP, EuroSafe Imaging.

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Die Inhalte dienen der Information und Weiterbildung; sie ersetzen keine einzelfallbezogene fachliche Beratung und keine behördlichen oder normativen Vorgaben. Massgeblich sind stets die jeweils geltenden Gesetze, Verordnungen und Weisungen der zuständigen Behörden. Für konkrete Anwendungen sind zusätzlich die lokalen Weisungen, Gerätevorgaben und die Beurteilung der zuständigen Fachpersonen massgeblich.

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