Wechselwirkung von Photonenstrahlung mit Materie

Radiologiefachperson stellt die Kollimation an einer Röntgenanlage ein.

Stand: 01.09.2026

Photoeffekt, Compton-Streuung und Paarbildung: die drei Prozesse, die erklären, warum Strahlung schwächt und Streufeld entsteht.

Wenn Röntgen- oder Gammastrahlung Materie durchdringt, geben die Photonen ihre Energie über einige wenige Grundprozesse ab. Welcher Prozess überwiegt, hängt von der Photonenenergie und der Ordnungszahl des Materials ab, und genau das bestimmt Bildkontrast, Schwächung und Streustrahlung. Diese drei Mechanismen zu kennen, erklärt auf einen Schlag, warum Knochen im Bild hell ist, warum Blei abschirmt und woher das Streufeld für das Team kommt.

PhotoeffektCompton-StreuungPaarbildunge⁻Photon ganz absorbiertPhoton abgelenkt + e⁻e⁺e⁻Paar e⁺/e⁻ (hohe Energie)
WechselwirkungsartenDie drei Grundprozesse: Beim Photoeffekt wird das Photon ganz absorbiert, bei der Compton-Streuung abgelenkt (Quelle des Streufelds), bei der Paarbildung in ein Elektron-Positron-Paar umgewandelt.

Photoeffekt

Das Photon wird vollständig von einem gebundenen Hüllenelektron absorbiert, das daraufhin das Atom verlässt. Der Photoeffekt nimmt mit der Ordnungszahl stark zu und überwiegt bei niedrigen Energien. Er liefert den Kontrast zwischen Knochen und Weichteil in der Projektionsradiografie und ist der Grund, warum Blei so wirksam abschirmt.

Compton-Streuung

Das Photon stösst an ein nur schwach gebundenes Elektron, gibt einen Teil seiner Energie ab und wird abgelenkt. Im diagnostischen Energiebereich ist die Compton-Streuung im Gewebe der dominierende Prozess. Sie ist die physikalische Ursache des Streufelds: die Strahlung, die vom bestrahlten Bereich im Patienten in den Raum abgelenkt wird und das Team belastet.

Paarbildung

Erst oberhalb von 1,022 MeV kann ein Photon im Kernfeld in ein Elektron-Positron-Paar umgewandelt werden. In der Strahlentherapie mit hochenergetischen Linearbeschleunigern spielt dieser Prozess eine Rolle, in der Diagnostik nicht.

Schwächung und Halbwertschichtdicke

Die Summe dieser Prozesse führt dazu, dass ein Strahlenbündel beim Durchgang durch Material exponentiell schwächer wird. Eine besonders anschauliche Grösse dafür ist die Halbwertschichtdicke: die Materialdicke, die die Intensität gerade halbiert. Sie ist die praktische Grundlage jeder Abschirmungsberechnung.

I = I₀ · e−µxµ ist der Schwächungskoeffizient des Materials, x die Dicke. Pro Halbwertschichtdicke sinkt die Intensität auf die Hälfte: nach zwei Schichten auf ein Viertel, nach drei auf ein Achtel. So rechnet man Bleidicken für Schutzwände aus.

Praxisbezug: Dass das Streufeld aus dem Patienten kommt und nicht aus dem Gerät, ist die Schlüsseleinsicht für den Personenschutz am C-Bogen (siehe Strahlenschutz im OP).

Häufige Fragen

Was passiert, wenn Röntgenstrahlung auf Gewebe trifft?

Die Photonen werden entweder absorbiert (Photoeffekt) oder abgelenkt (Compton-Streuung). Der Photoeffekt liefert den Bildkontrast, die Streuung ist die Quelle des Streufelds für das Team.

Warum streut der Patient Strahlung in den Raum?

Bei der Compton-Streuung wird ein Teil der Strahlung im Patienten abgelenkt und verlässt ihn in alle Richtungen. Diese Streustrahlung ist die Hauptbelastung für das Personal.

Was ist der Unterschied zwischen Absorption und Streuung?

Bei der Absorption gibt das Photon seine ganze Energie ab und verschwindet. Bei der Streuung gibt es nur einen Teil ab und fliegt mit geringerer Energie weiter.

Grundlage und weiterführendAllgemein fachlich etabliert (Wechselwirkung von Strahlung mit Materie). Fachlicher Rahmen: IAEA, ICRP.

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Die Inhalte dienen der Information und Weiterbildung; sie ersetzen keine einzelfallbezogene fachliche Beratung und keine behördlichen oder normativen Vorgaben. Massgeblich sind stets die jeweils geltenden Gesetze, Verordnungen und Weisungen der zuständigen Behörden. Für konkrete Anwendungen sind zusätzlich die lokalen Weisungen, Gerätevorgaben und die Beurteilung der zuständigen Fachpersonen massgeblich.

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