Wann ist Software ein Medizinprodukt?

Radiologiefachperson und Medizinphysiker prüfen Richtlinien und Bewilligungsunterlagen am Arbeitsplatz.

Stand: 30.08.2026

Die erste Frage vor jeder KI-Einführung: Ist die Software ein Medizinprodukt? Wie sich das an der Zweckbestimmung entscheidet und warum die Antwort über fast alles Weitere bestimmt.

Bevor ein Spital eine KI-Lösung einführt, steht eine Frage am Anfang, die viele überspringen: Ist diese Software überhaupt ein Medizinprodukt? Die Antwort entscheidet über fast alles Weitere, von der Konformitätsbewertung über die Pflichten bis zur Haftung. Software als Medizinprodukt heisst im Fachjargon MDSW (Medical Device Software).

1 · Bedarf& Ziel2 · MDSW?Konformität3 · Validierungam Standort4 · IntegrationPACS/RIS5 · MonitoringDrift/BiasErkenntnisse fliessen zurück in Bedarf und Validierung
KI MedizinproduktDer Lebenszyklus einer KI-Lösung: vom Bedarf über die MDSW-/Konformitätsbewertung, die Validierung am eigenen Standort und die Integration bis zum laufenden Monitoring, dessen Erkenntnisse zurückfliessen.

Es kommt auf die Zweckbestimmung an

Ob Software ein Medizinprodukt ist, hängt nicht von der Technik ab, sondern von ihrer Zweckbestimmung: Soll sie Informationen für medizinische Entscheidungen liefern, etwa eine Auffälligkeit markieren, etwas vermessen oder Fälle priorisieren? Dann ist sie in aller Regel ein Medizinprodukt. Reine Archivierung oder Bildanzeige ohne diagnostische Aussage ist es meist nicht. Die Grenze verläuft also an der Frage, ob die Software die medizinische Beurteilung beeinflusst.

Warum das so wichtig ist

Ist die Software ein Medizinprodukt, muss vor dem Inverkehrbringen das einschlägige Konformitätsbewertungsverfahren durchgeführt werden. Eine behördliche Swissmedic-Produktzulassung ist dafür nicht vorgesehen.

Der Schweizer Rahmen

In der Schweiz richtet sich Medizinproduktesoftware nach der MepV, In-vitro-Diagnostiksoftware nach der IvDV. Diese Vorschriften verweisen auf Anforderungen der EU-MDR beziehungsweise EU-IVDR. Der EU AI Act ist davon getrennt nach seinem Anwendungsbereich und den Kriterien für das konkrete KI-System einzuordnen. US-Vorgaben (FDA) sind nur Vergleichsrahmen, keine Schweizer Pflicht.

Claims-safe: Dieser Artikel ordnet ein, ersetzt aber keine Rechtsberatung und keine regulatorische Bewertung im Einzelfall. WiseRay prüft oder zertifiziert keine Produkte; massgeblich sind Swissmedic und die geltenden Verordnungen.

Grundlage und weiterführendFür den Marktzugang in der Schweiz ist Swissmedic zuständig; die Zweckbestimmung entscheidet über den MDSW-Status. International: EU-MDR und EU AI Act als europäischer Rahmen, FDA als US-Beispiel (nicht automatisch CH-Pflicht).

Die Inhalte dienen der Information und Weiterbildung; sie ersetzen keine einzelfallbezogene fachliche Beratung und keine behördlichen oder normativen Vorgaben. Massgeblich sind stets die jeweils geltenden Gesetze, Verordnungen und Weisungen der zuständigen Behörden. Für konkrete Anwendungen sind zusätzlich die lokalen Weisungen, Gerätevorgaben und die Beurteilung der zuständigen Fachpersonen massgeblich.

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