Begriffe A bis Z

Nachschlagen in der radiologischen Abteilung: zwei Fachpersonen an einem Stehtisch vor einer Wissensseite auf dem Bildschirm, daneben ein Ordner mit Registerreitern

Stand: 30.08.2026

Zentrale Begriffe der Medizinphysik, kurz und präzise definiert.

Abklinglagerung
Lagern kurzlebiger radioaktiver Abfälle, bis die Aktivität unter die Freigabegrenze gesunken ist.
Abstandsquadratgesetz
Die Dosis einer punktförmigen Quelle fällt mit dem Quadrat der Entfernung: doppelter Abstand bedeutet ein Viertel der Dosis.
Aktives Dosimeter
Elektronisches Dosimeter mit Echtzeit-Anzeige und Warnfunktion; ergänzt die passive amtliche Dosimetrie und macht Streufeld-Effekte im OP unmittelbar sichtbar.
Aktivität
Zahl der Kernzerfälle pro Sekunde; Einheit Becquerel (Bq). Beschreibt die Quelle, nicht die Wirkung.
ALARA
„As Low As Reasonably Achievable“: das Optimierungsprinzip: Dosen so niedrig wie vernünftigerweise erreichbar halten.
Bias (KI)
Systematische Verzerrung einer KI, die entsteht, wenn die Trainingsdaten eine Gruppe, ein Gerät oder ein Protokoll unzureichend abbilden.
Bleigleichwert
Schwächungswirkung eines Materials, ausgedrückt als äquivalente Bleidicke in mm Pb (z. B. bei Röntgenschürzen).
CAD (CADe / CADx)
Computergestützte Detektion (CADe) markiert auffällige Bildregionen, computergestützte Diagnose (CADx) charakterisiert sie; beide unterstützen die ärztliche Beurteilung, ersetzen sie nicht.
Compton-Streuung
Wechselwirkung, bei der ein Photon abgelenkt wird und Energie abgibt; physikalische Ursache des Streufelds.
CTDI
Computed Tomography Dose Index: Mass für die Strahlendosis pro CT-Schicht.
CTDIvol
Volumenbezogener CT-Dosisindex; berücksichtigt den Pitch und wird an der Konsole angezeigt und mit dem DRW verglichen.
Deterministische Wirkung
Strahlenwirkung mit Schwellendosis; die Schwere steigt mit der Dosis (z. B. Hautrötung, Katarakt).
DFP / DAP
Dosisflächenprodukt: Luftkerma mal bestrahlte Feldfläche; zentraler Dosisindikator der Durchleuchtung. Einheit Gy·cm².
DICOM / PACS / RIS
Standard und Systeme der Bildverwaltung: DICOM = Datenformat, PACS = Bildarchiv, RIS = Radiologie-Informationssystem.
DLP
Dosislängenprodukt: CTDI multipliziert mit der Scanlänge; Mass für die Gesamtdosis einer CT-Untersuchung.
Dosiskalibrator (Aktivimeter)
Bohrlochkammer zur Messung der Aktivität eines Radiopharmakons in Becquerel; je Nuklid kalibriert und regelmässig qualitätsgeprüft.
DQE
Detective Quantum Efficiency: Mass für die Dosiseffizienz eines Bildempfängers; hohe DQE bedeutet gleiche Bildqualität mit weniger Dosis.
Drift (KI)
Schleichende Verschlechterung einer KI im Betrieb, wenn sich Geräte, Protokolle oder Patientendaten verschieben.
DRW
Diagnostischer Referenzwert: Orientierungswert für die typische Dosis einer Untersuchung; in der Schweiz vom BAG publiziert.
Effektive Dosis
Mit Gewebe-Wichtungsfaktoren gewichtete Summe der Organdosen; Schutz- und Vergleichsgrösse für Kollektive, kein individuelles Risikomass. Einheit Sievert.
Energiedosis
Pro Masse absorbierte Strahlungsenergie; Einheit Gray (Gy), 1 Gy = 1 J/kg.
Erklärbarkeit (XAI)
Methoden, die nachvollziehbar machen, worauf eine KI-Entscheidung beruht, etwa durch Hervorheben der bildbestimmenden Regionen.
EU AI Act
Risikobasierte KI-Verordnung der EU, die medizinische KI tendenziell hohen Risikoklassen zuordnet; in der Schweiz kein direkt geltendes Recht, aber als Orientierung und für den Marktzugang relevant.
FMEA
Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse; prospektive Risikomethode, die kritische Prozessschritte zuerst entschärft.
GSDF
DICOM Grayscale Standard Display Function: die standardisierte Graustufenkennlinie, nach der Befundmonitore wahrnehmungsgerecht kalibriert werden.
Halbwertschichtdicke
Materialdicke, die die Intensität eines Strahlenbündels halbiert.
Halbwertszeit
Zeit, nach der die Hälfte der Kerne eines Radionuklids zerfallen ist.
Hp(0,07)
Messgrösse der Personen-Äquivalentdosis für die Haut- und Extremitätendosis (z. B. Ringdosimeter).
Hp(10)
Messgrösse der Personen-Äquivalentdosis für die Tiefen- bzw. Ganzkörperdosis.
Hp(3)
Messgrösse der Personen-Äquivalentdosis für die Augenlinse.
Ionisationskammer
Gasgefüllter Detektor; Referenzinstrument der Absolutdosimetrie.
Iterative Rekonstruktion
CT-Rechenverfahren, das Rauschen gezielt unterdrückt und dadurch Dosisreduktion ermöglicht.
Kerma
Kinetic Energy Released per Mass: die auf geladene Teilchen übertragene Anfangsenergie pro Masse.
Klinisches Audit
Strukturierte, fachliche Überprüfung der Strahlenanwendung zur Verbesserung (keine behördliche Strafkontrolle).
Kollimation
Die Einblendung des Strahlenfelds auf die benötigte Region; senkt Streustrahlung und Dosis.
kV (Röhrenspannung)
Steuert die Härte der Strahlung und damit Kontrast und Eindringvermögen der Aufnahme.
Larmor-Frequenz
Präzessionsfrequenz der Kernspins im MRT-Magnetfeld; bestimmt die wirksame Radiopuls-Frequenz.
Last Image Hold (LIH)
Das Festhalten des zuletzt durchleuchteten Bildes auf dem Monitor ohne weitere Strahlung; erlaubt Betrachten und Besprechen, ohne die Dosis weiter zu erhöhen.
Lokale Validierung
Überprüfung einer KI an den eigenen Geräten, Protokollen und Patientendaten vor dem klinischen Einsatz, da externe Leistungszahlen nicht ohne Weiteres übertragbar sind.
mAs (Strom-Zeit-Produkt)
Steuert die Menge der erzeugten Strahlung; wirkt nahezu linear auf die Dosis und bestimmt das Bildrauschen.
MDSW
Medical Device Software: Software, die aufgrund ihrer Zweckbestimmung als Medizinprodukt gilt und entsprechend reguliert ist.
Menschliche Aufsicht
Grundsatz, dass die fachlich verantwortliche Person die Entscheidung trägt und KI-Vorschläge prüft, statt sie ungeprüft zu übernehmen.
Overranging
Bei der Spiral-CT die zusätzliche Bestrahlung knapp jenseits des Scanbereichs, die die Rekonstruktion an den Enden benötigt.
PET
Positronen-Emissions-Tomografie; misst über die Koinzidenz zweier Vernichtungsphotonen, hohe Empfindlichkeit.
Photoeffekt
Wechselwirkung, bei der ein Photon vollständig von einem Hüllenelektron absorbiert wird; liefert den Knochen-Weichteil-Kontrast.
Pitch
Verhältnis von Tischvorschub pro Rotation zur Strahlbreite in der Spiral-CT; steuert Überlappung, Tempo und Dosis.
Post-Market-Überwachung
Laufende Beobachtung einer KI nach der Einführung, um Leistungsabfall, Drift oder neue Fehlermuster früh zu erkennen.
Pulsdurchleuchtung
Durchleuchtung in einzelnen Strahlenpulsen statt kontinuierlich; weniger Pulse pro Sekunde senken die Dosis spürbar, solange die Bildrate für die Aufgabe ausreicht.
Quantenrauschen
Das dominierende Bildrauschen, das aus der begrenzten Zahl der Röntgenquanten entsteht; es sinkt mit der Wurzel der Dosis.
RDSR
Radiation Dose Structured Report: strukturierter Dosisbericht moderner Bildgebungsgeräte.
Rechtfertigung
Grundprinzip: Jede Strahlenanwendung muss einen Nutzen haben, der den möglichen Schaden überwiegt.
Referenzstandard (Ground Truth)
Die als wahr angenommene Vergleichsgrundlage, an der die Leistung einer KI gemessen wird; ihre Qualität begrenzt die Aussagekraft jeder Bewertung.
Sensitivität
Anteil der tatsächlich Betroffenen, den ein Test oder eine KI korrekt als positiv erkennt; hohe Sensitivität übersieht wenig.
Spezifität
Anteil der tatsächlich Nicht-Betroffenen, den ein Test oder eine KI korrekt als negativ erkennt; hohe Spezifität erzeugt wenige Fehlalarme.
Spitzenhautdosis (PSD)
Höchste lokale Hautdosis bei langen Interventionen; relevant für deterministische Hautschäden.
SSDE
Size-Specific Dose Estimate: grössenkorrigierte Abschätzung der CT-Dosis, näher an der tatsächlichen Patientendosis als der CTDIvol.
Stochastische Wirkung
Strahlenwirkung ohne sichere Schwelle; mit der Dosis steigt die Wahrscheinlichkeit, nicht die Schwere (v. a. Krebsrisiko).
Strahlenschutz-Sachverständiger
Fachlich verantwortliche Person, die die korrekte Umsetzung des Strahlenschutzes im Betrieb sicherstellt.
Streufeld
Vom bestrahlten Bereich im Patienten in den Raum abgelenkte Streustrahlung: die Hauptbelastung für das Team.
Szintigrafie
Nuklearmedizinische Bildgebung der Verteilung eines Gammastrahlers mit der Gammakamera (3D als SPECT).
Theranostik
Kombination eines diagnostischen und eines therapeutischen Radiopharmakons mit gleichem Zielmechanismus.
TLD / OSL
Thermolumineszenz- bzw. optisch stimulierte Lumineszenz-Dosimeter: passive Detektoren der Personendosimetrie.
Äquivalentdosis
Energiedosis, gewichtet mit dem Strahlungs-Wichtungsfaktor; Einheit Sievert (Sv).
Grundlage und weiterführendBegriffe nach etabliertem fachlichem Sprachgebrauch (Strahlenschutz, Medizinphysik). Fachlicher Rahmen: BAG, ICRP.

Die Inhalte dienen der Information und Weiterbildung; sie ersetzen keine einzelfallbezogene fachliche Beratung und keine behördlichen oder normativen Vorgaben. Massgeblich sind stets die jeweils geltenden Gesetze, Verordnungen und Weisungen der zuständigen Behörden. Für konkrete Anwendungen sind zusätzlich die lokalen Weisungen, Gerätevorgaben und die Beurteilung der zuständigen Fachpersonen massgeblich.

Discover more from WiseRay

Subscribe now to keep reading and get access to the full archive.

Continue reading